Baugeschichte

Das Schulhaus in der Pise-Bauweise erhält beim Neubau im Untergeschoss zwei Wohnungen, und im Stockwerk darüber zwei Schulsäle. Der grosszügige Dachboden wird den zwei Wohnungen zugewiesen, ebenso im Keller die Räume für Holz, Kohle und Lebensmittel. Für beide Wohnungen gab es nur eine Waschküche im Keller, wo auch die einzige Badewanne im Hause stand.

Die Aussenfassade ist durch einen Besenwurf vor der Witterung geschützt. Wohnungen und Schulräume weisen zu Beginn alle Riemenholzböden auf (1894 wird der Boden im Oberschulzimmer durch einen «Pitch-Pin-Riemenboden» ersetzt, der heute noch vorhanden ist; der Unterschulzimmer-Boden wird 1904 ersetzt, später noch einmal?). Die Wände in den Wohn- und Schulräumen sind kalkverputzt und geweisst. Die Holz-Täferung der Wände wird erst ab 1862 etappenweise angebracht, zuerst in den Lehrerwohnungen, 1885 auch in den Schulräumen.

Der Neubau wurde nachts mit Petrollampen erleuchtet. Laut einem Inventar von ca. 1882 war die Beleuchtung etwa des Oberschulzimmers mit einer Stehlampe und einer Hängelampe äusserst spärlich (wie auch nach der Elektrifizierung 1910 zuerst 2 Deckenlampen genügt haben mussten).

Die Kochstellen in den beiden Wohnungen wurden 1891ersetzt durch zwei eiserne Kochherde. Der Herd in der westlichen Wohnung ist bis heute erhalten. Geheizt wurde das Haus bis zum Einbau der Zentralheizung im frühen 20. Jh. mit 4 Öfen, verteilt auf die Schulzimmer und die Wohnungen.

Wasser musste aus dem Brunnen im Garten heraufgepumpt werden; der Brunnen wurde 1886 erneuert. Am hinteren Ausgang des Schulhauses waren zwei Aborte; sie wurden in die dem Hinterausgang zu beiden Seiten angebauten «Güllenkästen» entsorgt. (1893 mussten die beiden baufällig gewesenen «Abtrittkästen» ausgebessert werden.) Mit dem fliessenden Wasser, welches 1899 vom Ortsnetz ins Haus geführt wurde, wurden 1907 auch die Abortanlagen der Zeit angepasst; in einem Umbau an der Hinterseite des Hauses wurden Parterre zwei Lehrer-WC (sie wurden bei der aktuellen Sanierung entfernt), in den Zwischengeschossen je ein geschlechtergetrenntes Schüler-WC eingebaut. 1936 wird an der Nordfassade ein Brunnen in Sandstein-Imitation angebracht (er besteht noch heute).

Zum Schulhaus gehört ca. 1 «Juchart Pflanzland, der Kessler Aker genant», sowie der Pflanz Garten beim Haus, welche den beiden Lehrer zur Benützung überlassen ist. Frühestens 1884 erhält der Garten einen Gartenhaag. Einen Turnplatz gab es zu dieser Zeit nicht (einen solchen legten die Mühlebacher 1882, 7 Jahre nach dem Turnobligatorium, an).Der westliche Schulsaal beherbergte vom Beginn an bis zur Auflösung der Schule die Unterschule, das waren die erste zwei Schuljahre, der östliche Schulsaal die Oberschule, die übrigen obligator. Schuljahre mitsamt der Fortbildungsschule. Die Schulzimmer war nach früheren Massstäben grosszügig konzipiert; laut TG Reglement für Schulhausbauten von 1840, das jedem Kind 8 bis 10 Quadratfuss (0,72 bis 0,9 qm) zugestand, hätten 80 bis 100 Schüler darin Platz haben sollen. Meist schien der Raum zu genügen; erst um 1900 stiegen die Zahlen über das erträgliche Mass (z.B. 1904 in der Unterschule 72, Oberschule 89); Regierung und Inspektorat hielten über 80 Schüler pro Zimmer für intolerabel und drängten auf einen weiteren Schulhausbau.



© Stiftung Schulmuseum Mühlebach, 2010

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