Vereinigung Schweiz


Vereinigung Schweizer Museen und Sammlungen zur Schul- und Kindheitsgeschichte

Die Broschüre kann im Museumsshop (d/f) bestellt werden, klicken Sie hier.

Die soziale und kulturelle Geschichte der Erziehung reicht nicht sehr weit zurück, und obwohl die Schule allen Mitgliedern unserer Gesellschaft vertraut sein sollte, beinhaltet sie noch eine zurückhaltend oder gar vernachlässigte Nische in der Konservierung unseres Erbes. Seit Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben in der Schweiz die Archive der Kantone und Gemeinden systematisch die administrativen Dokumente bezüglich der öffentlichen Bildung gesammelt. In den kunsthistorischen Museen findet man am Rande auch Kleider, Spiele oder Spielzeug, welches auf die Kindheit Bezug nimmt. Unseres Wissens haben sich aber nur während der letzten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts Museen oder spezielle historische Sammlungen entwickelt, die eine weniger abstrakte Vision von Erziehung und Kindheit vermitteln, näher bei den erzieherischen Massnahmen und dem täglichen Leben von jeder Epoche. Dies dank der Initiative einiger engagierter Leute. Sieben dieser Institutionen präsentiert unsere Publikation:

in Amriswil das erste schweizerische Schulmuseum, eröffnet im Jahre 2002 in der ehemaligen Mühlebach-Schule, mit seinen durchdachten Sammlungen über das Schulleben des 19. und 20. Jahrhunderts in drei Regionen der Schweiz: einem ländlichen Kanton aus dem Mittelland, einer alpinen Region des Graubündens und der Stadtregion von Zürich;

in Baden das schweizerische Kindermuseum, bekannt seit 1985 für seine thematischen Ausstellungen über den Spieltrieb und seine ausserordentlichen Sammlungen von Spielzeug, Spielen und erzieherischem Material des 18., 19. und 20. Jahrhunderts;

in Köniz seit etwa zehn Jahren eine Sammlung von Objekten und Dokumenten über die Primar- und Sekundarschulen des Kantons, aufbewahrt im Zivilschutz-Zentrum von Köniz, wo es auf die Gründung eines Berner Schulmuseums wartet;

in Genf die Stiftung Archive im Institut Jean-Jacques Rousseau, gegründet 1984, in welcher die Sammlungen es erlauben, das Denken und Handeln dieses Instituts besser zu verstehen. Es wurde 1912 von Edouard Claparède gestiftet und 1975 entstand daraus die Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Universität Genf;

in Genf ebenfalls die CRIÉE – Gemeinschaft für interdisziplinäre Forschung über Erziehung und Kindheit – welche seit 1988 eine reiche Sammlung über schulische und familiäre Erziehung aufbaute und in Zusammenarbeit mit dem Museum für Ethnographie der Stadt Genf mehrere Ausstellungen gestaltete;

in Yverdon das Zentrum für Dokumentation und Forschung Pestalozzi, gegründet 1977, welches zum Zweck hat, in der Schweiz und weltweit die Kenntnisse zu entwirren und die wissenschaftliche Diskussion rund um das Leben und Werk des grossen Pädagogen zu fördern;

in Yverdon ausserdem die Waadtländer Stiftung für schulisches Erbgut, gegründet im Jahre 2000. Sie ist danebst Erbin der Museumsvereinigung für Schule und Erziehung. Diese Vereinigung wurde 1982 gegründet und deren Sammlung möchte mit ihrem Reichtum und ihrer Mannigfaltigkeit zeigen, wie sehr die Schule ein herausfordernder Teil der historischen Mentalität und der kulturellen Geschichte unserer Gesellschaft ist.

Die Mitarbeiter dieser sieben Institutionen haben sich seit 2002 immer wieder zusammengefunden, um gemeinsam das 11. Internationale Symposium der Schulmuseen vorzubereiten, welches im Juli 2005 in der Schweiz stattfinden wird. Jenseits dieses Ereignisses haben sie sehr bald beschlossen, sich in einer Vereinigung zusammenzuschliessen, um ihre Geldmittel und Ideen besser verteilen und vergleichen zu können.

Jede dieser Institutionen hat ihre besonderen Eigenheiten. Sie sind Museen oder Sammlungen. Davon sind einige öffentlich, andere privat. Die einen haben beinahe akademische Ausmasse, die anderen vermitteln eher den Eindruck eines Heimatmuseums. Sie setzen die Akzente entweder auf die Schule oder auf die Familie und ihr Fundus variiert je nach Standort. Doch die ganze Fülle von Dokumenten und Objekten sind Zeitzeugen der Geschichte von Erziehung und Kindheit und alle Institutionen sind darum bemüht, gleichzeitig Ort der Erinnerung, der Forschung und der Begegnung zu sein.

Die Geschichte von Erziehung und Kindheit hat viele Leute beschäftigt, sie birgt auch zahlreiche Abgründe: die Erforschung und Beschreibung der grossen Pädagogen oder im Gegensatz dazu die Anschwärzung all jener, welche „traditionelle“ Schule abhalten wollten; Nostalgie gegen die schmucke, gute alte Zeit oder Festhalten am Triumphzug gegen den Fortschritt. Diese Vereinfachungen muss man zurückweisen und es soll dem Willen des Verstehens, des Begreifens und des Zeigens  der Vorzug gegeben werden. Das Projekt unserer Vereinigung ist ehrgeizig: zur äusserst anspruchsvollen Forschung beisteuern und dabei nicht vergessen, zum sozialen und kulturellen Einsatz in der heutigen Erziehung Sorge zu tragen. Sie will auch noch eine andere Herausforderung annehmen: ein möglichst breites Publikum soll dazu angehalten werden, sich an den durch die Vereinigung vorgebrachten Debatten zu beteiligen. Ausserdem soll rund um die Ausstellungen und Publikationen das Interesse des Publikums für die erworbenen Kenntnisse in Humanwissenschaften und das, was sich heutzutage in der Kindheit und Jugend noch ereignen wird geweckt werden.



© Stiftung Schulmuseum Mühlebach, 2010

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